Claus Mayr (geb. 1939) hat in den letzten 30 Jahren einigen hundert Kindern Tischtennis beigebracht,
unter anderem auch seinem Sohn Moritz Förster (geb. 1983), dem Co-Autor dieses Buches.
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TISCHTENNIS ANFÄNGERTRAINING
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Mit freundlichen Grüßen Michael Pollak
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Die Organisation des Trainings stützt sich dabei auf Erkenntnisse
aus den Sportwissenschaften und der Pädagogik:
1. Doppelaufgabeninterferenz
Kinder lernen am besten mehrere Bewegungselemente zusammen und nicht einzeln zerlegt,
zum Beispiel den Wechsel zwischen Vorhand und Rückhand
oder die Koppelung von Beinarbeit und Schlagbewegung,
den Wechsel zwischen netznahem Spiel und Spiel auf lange Bälle.
2. Erstkodierung
Bezüglich der Erstkodierung wurde festgestellt, dass auf das anfangs Erlernte
in den späteren Wettkämpfen in Stresssituationen
– also vor allem bei engen Spielständen am Ende der Sätze – zurückgegriffen wird;
ein Spieler, der sich beim Erlernen der Grundschläge kaum bewegt hat, bleibt stehen;
wer anfangs fast nur geschupft hat, wird zu passiv;
wer hauptsächlich gekontert hat, haut drauf.
Deshalb achten wir von Anfang an auf möglichst vielfältige Schläge und Bewegungen,
vor allem auf möglichst viel Spin; „Ballern“ ist tabu.
3. Optimales Aktivierungsniveau
Ein optimales Aktivierungsniveau – möglichst während des gesamten Trainings – bewirkt,
dass die Kinder ihre Spieltechnik schneller und besser entwickeln
und dass das Gelernte besser abgespeichert wird.
4. Praxisnähe
Vom ersten Trainingstag an kann auch an den Tischen trainiert werden.
Dazu werden alternative Übungs- und Wettkampfformen vorgestellt.
Von Anfang an wird auf gute Aufschläge, eine korrekte Neutralposition und Schlägerhaltung geachtet.
5. Einfache Umsetzbarkeit
Die Kinder können die meisten Übungen ohne Zuspieler und ohne lange Erklärungen spielen.
Es sind wenig Umbaupausen erforderlich, die in einer Trainingshalle
ohnehin vorhandenen Geräte (Tische, Banden, Bänke, Kästen) werden vielseitig genutzt.
6. Externaler Fokus
Die wirksamste und damit wichtigste Trainingsmethode:
Überprüfungen haben ergeben, dass nach Hilfen oder Korrekturen mit internalem Fokus,
also durch Erklären oder Zeigen der Körperbewegungen bei einem bestimmten Schlag,
die Kinder kaum Lernzuwachs haben
oder nachher sogar schlechter spielen als vorher.
Bei Hilfen mit externalem Fokus bekommen die Kinder Zielvorgaben.
Das übergeordnete Ziel eines Schlages – der Punktgewinn –
wird erreicht durch gute Platzierung (P), Tempo (T), Rotation (R) und Flugbahn (F) des Balles.
Durch entsprechende Zielvorgaben wird erreicht,
dass der Spieler einen oder mehrere dieser Faktoren günstig verändert.
Fast alle im Buch vorgestellten Übungen und Trainingshilfen bauen auf diesem Prinzip auf,
Kapitel zehn enthält dazu eine systematische Übersicht.
7. Individualisierung
Die Lernfortschritte der Kinder sind sehr unterschiedlich,
dadurch gibt es in der Spielstärke große Unterschiede in der Trainingsgruppe.
Individualisierung des Trainings ist unbedingt erforderlich.
Die angebotenen Trainingsformen decken einen Trainingszeitraum von etwa zwei Jahren ab.
8. Motivation
- Flow: Durch das hohe Aktivierungsniveau befinden sich die Kinder während des Trainings
in einer Art Flow-Zustand. Das Gehirn schüttet Glückshormone aus.
- Intrinsische Motivation: Die Kinder bekommen von Anfang an Aufgaben,
die sie in einer einfachen Form erfolgreich spielen können
und bei denen sie schnell einen Zuwachs an Geschicklichkeit erleben;
sie lernen am Erfolg.
- Autonomie/soziale Motivation: Die Kinder können zwischen unterschiedlichen Spiel- oder Trainingsformen wählen
und mit ihren Freunden trainieren.
Die Eltern sind oft beim Training oder bei den Wettkämpfen dabei und freuen sich,
über die Erfolge ihrer Kinder – Unterstützung durch das soziale Umfeld ist sehr wichtig.
Die Kinder können über ihre Zeitnutzung mit entscheiden – wann sie Pausen machen,
über Dauer, Häufigkeit und Intensität ihres Trainings.
- Neugier: Das Erzeugen von Rotation, das Ausprobieren unterschiedlicher Schlägermaterialien,
das Spiel in unterschiedlichen „Spielfeldern“ mit wechselnden Wettkampfformen
erhalten die kindliche Neugiermotivation.